Donnerstag, 29.07.2010
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Datum: So, 14.12.2008 Autor: Dr. C. Bracke / Dr. H. Fiedler
Panik bei Hund und Katze

Silvesterangst

Silvesterangst
Foto: aboutpixel.de © Jörg Kleinschmidt 
NEUSTADT/WUNSTORF. Alle Jahre wieder vertreiben die Menschen zum Jahreswechsel die bösen Wintergeister mit großem Feuerwerk und Tamtam.

Viele Hunde- und Katzenbesitzer haben jetzt ein großes Problem, da ihre Lieblinge mit Böllern und zischenden Raketen nichts Angenehmes verbinden können.
Im Gegenteil: Für unsere Mitgeschöpfe verändert sich in diesen Tagen einiges in ihrer Umwelt,  nur wenige nehmen das Getöse gelassen hin. Geräuschempfindliche Tiere haben es da besonders schwer.

 

Unsere Haustiere zittern zahlreich tagelang vor sich hin, „spielen verrückt“ oder kriechen panisch unter die Sofas und hoffen, dass ihnen der Himmel nicht auf den Kopf fällt. Tierärzte nennen das Silvesterangst. Also schnell noch hin, um wie jedes Jahr diese „gelben Beruhigungstabletten“ zu holen.
Mit Wurst verabreicht liegen dann "Hasso" oder "Miezi" bald ruhig auf ihrem Platz und alles scheint bestens.

 

Aber leider ist das Problem durch Pillen meistens nicht behoben, denn die üblichen und am häufigsten verwendeten Tabletten enthalten den Wirkstoff Acepromazin. Diese auch vor Autofahrten und Flugreisen oft verabreichte Substanz bewirkt zwar eine deutliche Ruhigstellung der Tiere bis hin zur Unbeweglichkeit (Immobilisation), aber die Wahrnehmung der Angst erzeugenden Geräusche wird kaum vermindert. Es hat sich herausgestellt, dass die Geräuschempfindlichkeit bis zum Vielfachen gesteigert sein kann! Das hilflose Tier muss sich qualvoll alles anhören, will weglaufen und kann es aufgrund der Bewegungseinschränkung aber nicht!

Bei diesem Präparat fehlt leider die angstlösende Wirkung, so dass das Tier seine Geräuschangst schlimmstenfalls unkontrollierbar steigert und in eine Phobie gerät. Im darauffolgenden Jahr kann somit alles viel schlimmer werden!


Was die Tiere benötigen, ist ein angstlösendes Medikament und evtl. ein Ohrstöpseltraining.

Gehen Sie bitte rechtzeitig zu ihrem Tierarzt, denn die wirklich hilfreichen Medikamente können nicht einfach nach Körpergewicht verabreicht werden, sondern man muss einschleichend die ganz individuelle Dosierung für das jeweilige Tier herausfinden. Ihr Tierarzt wird Ihnen dann auch in leichteren Fällen mögliche Alternativen aufzeigen und Sie in besonders schweren Fällen zu einem verhaltenstherapeutisch spezialisierten Kollegen überweisen. Denn manchmal hilft nur eine systematische Desensibilisierung in wochenlanger Verhaltenstherapie, um eine schon lange bestehende Geräuschangst erfolgreich und dauerhaft zu bekämpfen.

Tierbesitzer können aber durch richtiges Verhalten viel Gutes bewirken.


In der Regel wird das Angstverhalten unbewusst verstärkt, indem man sein Tier beruhigt und ihm gut zuredet. Hunde z.B. interpretieren diese menschlichen Gesten als Bestätigung für ihr Angstverhalten, d.h. man trainiert leider genau das Gegenteil – „Angstverhalten ist gut, mein Mensch redet viel mit mir und streichelt mich, also zeige ich Angst jetzt öfter.“ Souveränes Ignorieren angsteinflößender Situationen fällt aber vielen Tierbesitzern schwer.

 

Geräuschempfindlichkeit ist meistens ein Problem, das auf mangelnde Vorbereitung auf die Umwelt in den ersten Lebenswochen zurückzuführen ist. Hunde z.B. sollten in der Sozialisationsphase (4. - 14. Lebenswoche) lernen, dass laute Alltagsgeräusche zu ihrem Lebensraum gehören. Verantwortungsvolle Züchter konfrontieren deshalb ihre Welpen mit allerlei Reizen um einem späteren übersteigerten Angstverhalten vorzubeugen und sie auf unsere eigentlich wenig hundegerechte Welt vorzubereiten … damit für alle aus der Silvesterangst ein guter Rutsch wird.

Dr. Christiane Bracke Dr. Christiane Bracke leitet eine Tierarztpraxis in Neustadt a.Rbge. "Wir betreuen neben der normalen Kleintierpraxis mit Untersuchungen, Behandlungen und Operationen auch Verhaltenstherapiepatienten. Mir liegt besonders die liebevolle, angstfreie Behandlung und Untersuchung, sowie der verständnisvolle Umgang mit den Tierbesitzern am Herzen."
Tierarztpraxis Dr. C. Bracke, Bordenauer Str. 9, 31535 Neustadt, Tel.: 05032 - 913 233 | www.docprodog.de


Dr. Hartmut Fiedler Dr. Hartmut Fiedler betreibt eine Tierärztliche Praxis in Wunstorf.

Dr. Hartmut Fiedler, Kolenfelder Str. 1, 31515 Wunstorf, Tel.: 05031 - 2200

 Kommentare (2)
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geschrieben von tony, 27.12.2008, 11:22 Uhr
Sehr guter Artikel. Danke für die Aufklärung. Ich kenne das von einem Bekannten, dessen Hund fast einen Herzkasper bekommt, wenn auch nur ne Knallerbse auf den Boden fällt...
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Desensibilisierung
geschrieben von Vroni, 28.12.2008, 19:35 Uhr
Ich habe es auch mit "Desensibilisierung" geschafft, dass meine 2 Hunde, ein "gelassenes" Sylvester erleben. Das ist zwar "zeitaufwendiger" als mal eben eine Pille einwerfen, aber langfristig auf jeden Fall lohnender. Und tiergerechter.
 
 
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